Liebe Familie, liebe Trauergemeinde, liebe Kameradinnen und Kameraden, wir stehen heute hier, um Abschied von einem ganz besonderen Menschen zu nehmen. Wir nehmen Abschied von unserem lieben Willi Kepper, der nun, nach einem erfüllten Leben, in seinem 105. Lebensjahr von uns gegangen ist. Er hat die Leinen gelöst und Kurs auf den letzten, fernen Horizont genommen.
Klar zum Ablegen – so begann für Willi damals die Reise mit seinem Shantychor. Er war (gemeinsam mit Heinz Sauerwein) einer der Gründerväter, Sänger und auch langjähriger Chorleiter. Seit der Gründung des Chores im Jahr 1974 aus der Marinekameradschaft Homberg heraus, war er der Herzschlag dieser Gemeinschaft und hat mit seiner Begeisterung, Sangesfreude und seinem Durchsetzungsvermögen uns alle inspiriert.
Er hat gezeigt, wie Musik Freude schenken und Menschen miteinander verbinden kann, und er hat den Weg mitbereitet, unseren Chor zu dem zu machen, was er heute ist – ein lebendiger Ort der Freundschaft und des gemeinsamen Singens. Es gäbe so viele Geschichten über sein Wirken zu erzählen.
Selbst nach einigen Schicksalsschlägen und trotz seines Alters ist er dem Chor immer verbunden geblieben. Er hat, so lange es ging, mit seiner Lebensgefährtin Friedchen viele unserer Veranstaltungen besucht und es sich nicht nehmen lassen, dann auch für ein, zwei Lieder mit auf der Bühne zu stehen. (Denken wir nur an seinen 100. Geburtstag in der Stadthalle Homberg.)
Auch als er seinen Altersruhesitz in der Seniorenresidenz „Pavillon“ fand, hat er (zumindest) anfänglich einige Male an unseren dort stattfindenden Chorstunden teilnehmen können – und selbstverständlich auch mitgesungen. Er kannte alle alten Liedtexte und war, trotz seines hohen Alters, noch immer gut bei Stimme. - Doch seine Kräfte schwanden.
Anlässich der Feierlichkeiten zum 50. Shantychorjubiläum 2024 war es uns eine besonders große Freude, dass wir ihm noch einmal offiziell danken und ihn zu unserem Ehrenmitglied ernennen konnten.
Shantys sind keine Lieder für Einzelgänger. Es sind Lieder der Gemeinschaft. Sie erzählen von Sehnsucht, von Stürmen, aber vor allem von dem Zusammenhalt an Bord. Wenn er mit uns auf der Bühne stand, ging es ihm nicht nur um Töne. Es ging um das gemeinsame Lebensgefühl.
Daher werden wir ein besonderes Lied immer mit ihm verbinden, dessen Text genau dieses „gemeinsame Anpacken auch bei schweren Aufgaben“ symbolisiert. Er hat dieses Lied als Solist so gern gesungen. Ihm zu Ehren wird dieser original Shanty „Roll the cotton down“ heute von seinem Sangeskameraden Horst Süsse vorgetragen.
Aber sein Herz schlug nicht nur für die maritime Musik. Er war ein Mann, der Werte wie Heimatverbundenheit tief in sich trug. Deshalb stehe ich heute hier nicht nur für unseren Shantychor. Ich spreche heute ausdrücklich auch im Namen der Kyffhäuser Kameradschaft Homberg und dessen 1. Vorsitzenden Erhard Lutz. 69 Jahre war Willi Mitglied in der Kameradschaft und auch hier wurde er zum Ehrenmitglied ernannt.
In beiden Vereinen hat Willi Spuren hinterlassen, die die Zeit nicht verwischen kann. Für die Kyffhäuser war er ein aufrechter Kamerad. Für unseren Chor war er ein treuer Sangesbruder. Er hat Brücken gebaut zwischen der Sehnsucht nach der weiten Welt und der Liebe zur hessischen Heimat hier in Homberg.
Lieber Willi,
unser aller Kapitän dort oben hat dich zu sich gerufen! Ein Schiff verschwindet zwar am Horizont, aber es gehnt nicht verloren – es wechselt nur das Fahrwasser.
Der Shantychor und die Kyffhäuser Kameradschaft Homberg werden dein Andenken in Ehren halten, und in tiefer Dankbarkeit sagen wir ein letztes Farewell!
Ruhen in Frieden, lieber Kamerad und Sangesbruder.
Homberg, den 19.05.2026
Shantychor Homberg-Borken e.V.
Martina Bülter (Text) und Helmut Paulduro (Vortrag)